Catharina Szonn

Trouble in Paradise
Rauminstallation

Wettbewerb des Kunstvereins Konstanz für eine Ausstellung junger Künstlerinnen und Künstler

160 Jahre Kunstverein Konstanz – zu diesem Jubiläum im Jahr 2018 hatten namhafte Künstlerinnen und Künstler (Thomas Bechinger, Markus Brenner, Markus Daum, Johannes Dörflinger, Johannes Lacher, Davor Ljubicic, Mimi Manzecchi-Müller, Ede Mayer, Boris Petrovsky, Richard Tisserand) Werke zur Verfügung gestellt, die versteigert wurden. Der Erlös dieser Versteigerung war der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler gewidmet worden. Ausgelobt wurde ein Wettbewerb für ein Ausstellungskonzept, zu realisieren in den Räumen des Kunstvereins Konstanz (Künstler-Budget von 10.000 €).

Die Fachjury (Markus Daum, Bildhauer und Grafiker; Prof. Simon Gallus, Fotograf und Dozent an der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung, Ulm; Prof. Dr. Jürgen Stöhr, Dozent für Kunstwissenschaft/ Kunstgeschichte, Universität Konstanz) entschied sich für die Frankfurter Künstlerin Catharina Szonn:
Ihr installativer Entwurf sei eine postmoderne Fortführung von Kunstkonzeptionen, wie sie etwa in den Arbeiten eines Jean Tinguely enthalten sind. Besonders überzeugend wirkten die möglichen, ironischen Brechungen, die aus Szonns eigenständiger, künstlerischer Verschmelzung von Text, plastischer Arbeit und installativer Konzeption hervorscheinen.

 

Nun ist es soweit, trotz der Covid-19 bedingten Verzögerungen: Trouble in Paradise, Szonns Wettbewerbs-Ausstellung wird ab 1.8. zu sehen sein.

Catharina Szonn, *1987, war nach einem Studium der Bildenden Kunst (Hochschule für Gestaltung, Offenbach, Auslandssemester an der Iceland Academy of Arts Reykjavik und der Akademie der bildenden Künste Wien) bereits an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt, u.a.  an einer Ausstellung „Junge Kunst aus Frankfurt“, im dortigen Kunstverein sowie beim EMAF (European Media Art Festival) in der Kunsthalle Osnabrück. Nach einer Ausstellung im saasfee*pavillon, Frankfurt/Main, 2018, ist die Konstanzer Präsentation ihre zweite Einzelausstellung.

Catharina Szonn begreift ihre künstlerische Arbeit als eine Auseinandersetzung mit technologischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten unserer Gegenwart, bei der sie meist auf bereits vergangene Kulturphänomene zurückgreift, um in deren offensichtlicher Vergänglichkeit Spuren zu revitalisierenden Zukunftsfragen zu legen.

Hauptakteur ihrer Ausstellung im Kunstverein Konstanz ist ein Teppichpaternoster, eine wuchtige Maschine, 700 kg schwer, fast 5 Meter lang, über 2 Meter in die Höhe ragend, funktionsfähig, aber in einer digitalisierten Produktionswelt dennoch ein eher überkommenes Objekt. Der Schwerfälligkeit einer ausgedienten Maschine stellt Szonn die Leichtlebigkeit aufblasbarer Plastikobjekte entgegen, ein leicht verfügbares, quietschbuntes Paradies, dem aber schnell die Luft ausgehen kann. Dieses in sich gegensätzliche Objektarrangement wird in die maschinell mögliche Bewegung, das Zirkulieren der Walzen, gesetzt. Aber es ist nicht Auslegware, die sorgsam um die Walzen gewickelt zur Kundenpräsentation kreist, vielmehr stößt die Künstlerin eine unkontrollierbare Choreographie an, in der die beteiligten Objekte in einen nicht absehbaren Verschleißprozess geraten – wer weiß, wohin diese stete, sich selbst genügende Kreisbewegung am Ende der Ausstellung führen wird?

Wie schon in vorangegangenen Arbeiten, bei denen Maschinen wie Transportbänder aus Textilreinigungen zu einem (selbst-)zerstörerischen Einsatz kamen, lässt Szonn Objekte zu Performern ihrer eigenen Abnutzung werden. Die Bewegung, die in Szonn´s Installationen immer wesentlich sind, ist nur scheinbar auf Fortschritt angelegt, längst haben sich selbst diese mechanisch, nicht-digital konstruierten Maschinen jedem vernunftbezogenen Maschine-Mensch-Dialog entzogen und drehen in brutaler Einförmigkeit ihrer Auflösung entgegen.  

Für den Zuschauer ergeben sich Spektakelmomente, in denen zu entscheiden ist, ob man dem unaufhaltsamen Auf- und Abstieg der Maschine, ihrer destruktiven Kraft empathielos, mit Amüsement oder wachsender Unruhe folgt.

Begleitet wird die Gegenüberstellung von überlebter Maschine und überflüssigen Einweg-Plastikobjekten von einem LED-Laufband, auf dem die Künstlerin poetische Textfragmente in eine Loopschleife bringt, z.B: „Warten auf das, was nie passiert…morgen wird bestimmt ein besserer Tag… walking death to future…wir sind hier, um alles richtig zu machen…“

In einer Zeit, in der vermeintlich Sicheres sich in Unwägbarkeit verliert, fragt Trouble in paradise, was an Vorstellungen von Paradies noch stimmig sein mag, ab wann der Ärger längst begonnen hat.

Fotos: Catharina Szonn

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